Außerirdische Wissenschaft – Kommentar zur „Theorie der Absoluten Relativität“ von Eric Julien

Danny Ammon. In den vorangehenden zwei Ausgaben des JUFOF haben wir einen Artikel von Eric Julien präsentiert [1, 2], der eine „Theorie der Absoluten Relativität“ aufgestellt und in einem Buch zur UFO-Forschung veröffentlicht hat. Seine Ausführungen wollen wir nun in einem Kommentar unter die Lupe nehmen, um kritisch zu eruieren, welche Aussagekraft seine Theorie – die von UFO-Phänomenen über paranormale Erfahrungen bis hin zu Kornkreisen für alle Erscheinungen eine Erklärung bietet – besitzt.

Eric Julien

„Ich sehe seit einigen Jahren UFOs und stand im Kontakt mit außerirdischen Wesen. Ich bin 42 Jahre alt, besitze sowohl eine technische Ausbildung (Militärjetpilot und Fluglotse), als auch eine wirtschaftliche (Master-Grad) und eine im Management (Flughafenleitung). Seit ich sechs Jahre alt bin, mache ich verschiedene Erfahrungen spiritueller Natur, die derzeit eine deutlichere Form und Bedeutung für mich annehmen.
Unter den vielen Phänomenen, die sich während der letzten zwei Jahre manifestierten, war etwa dasjenige, als ich eine Nachricht über die tri-dimensionale Natur der Zeit erhielt, während ein UFO über meinem Haus schwebte und seine Anwesenheit durch einen furchtbaren Lärm bekanntgab, oder als ein riesiges dreieckförmiges Schiff über mein Haus flog, als ich gerade umzog, und daraufhin Luftkämpfe zwischen Lichtern ausbrachen, die 25 Minuten andauerten, ebenso verschiedente Erscheinungen von himmlischen Lichtern und ätherischen Kreaturen in meinem Haus, und schließlich, nachdem ich lernte, wie ich mich selbst mental an einen Ort der Präsenz wohlwollender Außerirdischer projizieren konnte, erhielt ich dort Botschaften […]“
Diese Selbstauskunft stellt Eric Julien dem Text, durch den er am 11. September 2003 in die Öffentlichkeit (des Internets) trat [3], voran. Bereits seit den 90-er Jahren, als er sich, während er eingenickt war (sic!), plötzlich an einem fremden Ort mit drei außerirdischen Wesen befand [4], wurden ihm Teile der Theorie offenbart, die er in seinem Artikel und seinem Buch vollständig erläutert und die sich sowohl auf paranormale Phänomene allgemein als auch auf Details der „Raumschiffe“ und der Motive ihrer Piloten konkret bezieht.

Publikationen und Aktivitäten Juliens

Seine Veröffentlichung, „Decide Whether We Should Show Up!“ [3], ist eine aus Sicht der Außerirdischen verfasste Botschaft an die Menschheit. Die Aliens offenbaren sich darin als meist unsichtbare, körperlose Wesen, die in multidimensionalen Raumschiffen reisen, welche wir als UFOs wahrnehmen. Die Menschen werden als unvollkommene Spezies mit dem Wunsch, sich weiterzuentwickeln, beschrieben. Der Weg zur Weiterentwicklung besteht im erwünschten und offenen Kontakt zu den Außerirdischen, so dass die Botschaft eine Einladung an die Menschheit in Hinblick auf ihre Kontaktbereitschaft darstellt: „Entscheidet, ob wir uns zeigen sollen!“
Bereits in einer früheren Veröffentlichung Juliens [4] offenbart er mehr von seinem Wissen über die Technologie und die Motive der Außerirdischen. Seine Beschreibungen sind mit denjenigen aus seinem neuesten Buch konsistent [vgl. 2] und beinhalten die Technologie der extraterrestrischen Raumschiffe sowie den Existenzort der Außerirdischen, der durch die nuklearen Tests und Bombenabwürfe der Menschheit bedroht sei. Stets erlebt Julien die Offenbarungen der Außerirdischen durch UFO-Erscheinungen und mit Botschaften erfüllten Träumen, in denen er sich freiwillig oder unvermittelt an anderen Orten befindet und dort in Kontakt mit den Aliens tritt.
Eve Marchal Am 22. März 2004 rief Eric Juliens Lebensgefährtin Eve Marchal die Gendarmerie an, um mitzuteilen, dass ihr Mann verschwunden sei. Er sei wohl in einem UFO mitgenommen worden [9]. (Im selben Jahr nahm Marchal an zwei französischen Radiosendungen teil, in denen sie erklärte, dass Julien in langandauernden Trainingseinheiten zum UFO-Piloten ausgebildet würde [12].) Die Gendarmerie fand Julien allerdings auf einer Insel im Indischen Ozean auf: Seine Arbeitslosengeldzahlungen waren nach dort umgeleitet worden. Julien, der auf ähnliche Weise bereits seine erste Ehefrau für mehrere Monate verlassen hatte, schrieb Marchal eine E-Mail (um die Ermittlungen zu stoppen) mit dem Satz: „Ich hoffte, niemand würde mich je finden!“
Zu Beginn des Jahres 2006 hat Julien dann öffentlich vor einem Kometeneinschlag am 25. Mai des Jahres gewarnt, der 58 Millionen Todesopfer fordern würde. Ihm wurde die Botschaft übermittelt, dass Außerirdische angesichts unserer fortdauernden Atomwaffentests den Kometen Schwassmann-Wachmann 3 in mehrere Fragmente zertrümmert hätten, von denen eines auf den Nordatlantik gelenkt würde und dort einen starken Tsunami auslösen würde [5]. Tatsächlich ist der Komet bereits 1995 – laut der NASA durch den tektonischen Stress in Sonnennähe – zum ersten Mal zerbrochen, sollte die Erde jedoch um 10 Millionen Kilometer verfehlen. Als am besagten 25. Mai die Katastrophe ausblieb, unterzog Julien seine Website [6] einem Update. Er behauptete nun, dass die weltweite Warnung ein voller Erfolg war, da die USA am 25. Mai ihre Politik des nuklearen Erstschlags kurzzeitig abänderten, wodurch die Außerirdischen den Kurs des Kometenfragments auf den Pazifik änderten, was dort zwar ebenfalls hohe Flutwellen auslöste, die jedoch keine Leben bedrohen konnten.
Im Oktober 2006 erschien schließlich die englischsprachige Übersetzung des ein Jahr zuvor publizierten Buches „La Science des Extraterrestres“ [7], das Juliens physikalische Theorie und seine Entdeckungen über die Extraterrestrier in Gänze umfasste. Erhältlich ist das Buch ausschließlich über den Online-Verlag Allies Books, der in seinem Repertoire auch bislang lediglich dieses eine Buch aufzuweisen hat. Als Personal des Verlags ließ sich bislang lediglich Vizepräsidentin und Lebensgefährtin von Julien, Eve Marchal identifizieren [8].
Juliens Aktivitäten und Publikationen, die hiermit kurz angerissen wurden, sind damit zweifelsfrei dem Kontaktlertum und der Channeling-Szene zuzuordnen, welche beide damit nach Jahren der Inaktivität wieder neue Beiträge erhalten. Die Beschreibung von geistigen Kontakten zu körperlosen Außerirdischen, die in Sorge um unsere Entwicklung angesichts unserer Konzentration auf Nuklearwaffen sind, deckt sich exakt mit den Äußerungen anderer UFO-Kontaktler, die seit den 50-er Jahren derartige Aussagen veröffentlichen und von denen einige nachweislich Betrug begangen haben [vgl. 10]. Typisch für die religiös-kultische Natur der Publikationen auch Eric Juliens ist auch die Prophezeihung von Katastrophen, die regelmäßig nicht eintreffen, durch nachträgliche Korrekturen in den Aussagen jedoch in das Weltbild reintegriert und der Glaube somit aufrechterhalten werden kann [vgl. 11].
Obwohl es interessant erscheint, sich der Person Juliens und ihren ufologischen Aktivitäten ausführlicher zu widmen und seine Erfahrungen näher zu analysieren, wollen wir uns im Folgenden auf eine genaue Betrachtung seiner „Theorie der Absoluten Relativität“ konzentrieren, um hierzu Sachkritik zu üben statt Ad-hominem-Argumente anzuwenden.

„Absolute Relativität“

Zum Begriff der „Absoluten Relativität“ ist zunächst auszuführen, dass es sich um ein deutliches Paradoxon handelt, wodurch es als physikalischer Begriff ungeeignet erscheint. Kern dieser Theorie ist aber eine Annahme über die Natur der Zeit, nämlich dass sie der Welle-Teilchen-Dualität der Quantenmechanik unterworfen ist, sie also eine fraktale (sich selbst reproduzierende) zyklisch wiederkehrende Schwingungsform darstellt und ebenso aus Quanten besteht, die denen des Lichts ähneln [1]. Je nach Frequenz der Welle bzw. Quantenzahl existieren damit unterschiedliche Dichten von Zeit. In Umgebungen mit hoher Zeitdichte finden also pro Raumvolumen mehr Ereignisse statt als in Zonen mit niedriger Zeitdichte.
Die vierte Abbildung aus Juliens Artikel zeigt übrigens, dass dieser den Welle-Teilchen-Dualismus gerade nicht verstanden hat: Wellen bestehen nicht etwa selbst aus Quanten, sondern quantenmechanische Erscheinungen können je nach Experiment einmal Quanteneffekte und einmal Welleneffekte hervorrufen. Beides gleichzeitig scheint sich jedoch auszuschließen, dennoch lassen sich bestimmte Eigenschaften etwa des Lichts nur durch seine Quantennatur oder eben nur durch seine Wellennatur erklären. Da keines der beiden Modelle die Umwelt ausreichend erklärt, basiert die Quantenmechanik auf dem Dualismus der beiden.
Der Hauptsatz von Juliens „Absoluter Relativität“ besagt nun, dass mit steigender Zeitdichte das Raumvolumen geringer wird und umgekehrt.
Zu all diesen Annahmen existiert bislang allerdings kein einziger physikalischer Beleg; in der Physik bleibt die Zeit eine irreduzible Größe, die durch Messung der Wiederholung periodische Vorgänge operationalisiert wird [13]. Aussagen über das Wesen der Zeit bleiben damit Spekulation, bevor keine sicheren experimentellen Bestätigungen erfolgen.
Damit ist eine Anwendung der Theorie Juliens, wie er sie auf das Phänomen des Bewusstseins, auf Imagination, auf UFO-Sichtungen, Kornkreise und paranormale Phänomene durchführt, prinzipiell verfrüht und bleibt damit ebenso Spekulation. Untersuchen wir dennoch diese Zusammenhänge.

Phänomene der Psyche

Die erste Anwendung, die Julien seiner Theorie angedeihen lässt, ist der Bezug auf den Körper-Geist-Dualismus. Die Einbindung geistiger Prozesse in eine Energiebeziehung, die darin gipfelt, dass kreative Imagination ein Energieaustausch mit einem unbekannten Ort jenseits der von uns bekannten Raum-und-Zeit-Dimensionen ist [1], ist dahingehend noch spekulativer als die zugrundeliegende Theorie selbst, als dass nichts über die Form der Energie ausgesagt wird, die psychische Phänomene kennzeichnet oder koppelt. Damit bleibt diese Anwendung natürlich allenfalls esoterisches Gedankengut.
Ein proportionaler Zusammenhang von Zeitdichte und einer Steigerung Materie-Psyche-ASW ist in seiner Erklärungskraft begrenzt: Mit erhöhter Zeitdichte können mehr Ereignisse stattfinden, jedoch sagt das nichts über den Informationsgehalt aus – der hier postulierte Zusammenhang zur Informationstheorie bleibt unerklärt. Damit ist aber die Proportionalbeziehung unbegründet. Etwaige Belege, wie subjektives Zeitgefühl, benötigen keine Theorie der Zeitdichte und sind auch im herkömmlichen Rahmen erklärbar [13].
Ohne eine stringente zugrundeliegende Erläuterung der postulierten psychischen Energie sowie des Zusammenhangs Zeitdichte – Körper-Geist-Dualismus stellt die Anwendung der „Absoluten Relativität“ aber keine Erläuterung, sondern eine Verkomplizierung ungelöster Fragen dar: Sie führt experimentell nicht bestätigte Zusatzannahmen ein.

UFO-Phänomen

Eine wesentliche Anwendung der „Theorie der Absoluten Relativität“ liegt bei Julien im UFO-Phänomen. Diese Anwendung bedingt allerdings eine äußerst problematische Voraussetzung: Sie erwartet hinter einer Anzahl an UFO-Sichtungen tatsächliche extraterrestrische Raumschiffe. Da die Theorie dafür selbst außer Juliens anekdotischen Erfahrungsberichten keine Belege liefert, sind wir auf die Ergebnisse der allgemeinen UFO-Forschung angewiesen. Dort ist über die Gesamtheit der bisher unerklärten UFO-Fälle bekannt, dass a) Einzelzeugen dominieren und b) die Sichtungsinhalte eine stark heterogene Struktur aufweisen [z.B.14]. Diese Faktoren sprechen stark gegen eine Einzelerklärung im Sinne der ETH, zumal für diese weitergehende Belege erforderlich sind.
Julien erkennt die Heterogenität von UFO-Fällen und Zeugenaussagen und erklärt sie als Effekt der Zeitdichtenänderung [2]: „Die Wahrnehmung von Distanzen, Größen und Formen hängt von der Situation jedes einzelnen Beobachters und von der momentanen Zeitdichte des UFOs ab.“ Diese Behauptung ist allerdings nicht falsifizierbar: So kann jede beliebige UFO-Sichtung, selbst eindeutig identifizierbare, mit einer „Zeitdichtenänderung“ als Fehlwahrnehmung eines extraterrestrischen Raumschiffs erklärt werden. Das widerspricht wissenschaftlichen Untersuchungsansätzen.
Obwohl die Ergebnisse der UFO-Forschung und die eigenen Erläuterungen Juliens die These von außerirdischen Raumschiffen als Verursacher und damit die paradoxe Gleichsetzung UFO = Raumschiff also (bislang) in keiner Weise stützen, fährt der französische UFOloge mit einer detaillierten Erläuterung von Aufbau und Funktionsweise „der Raumschiffe“ fort. Obwohl hierzu wiederum die Grundlage fehlt, fahren auch wir mit der Untersuchung seiner Aussagen fort.

„UFO-Technologie“

Das Kernprinzip der Flugfähigkeit von Raumschiffen der Außerirdischen besteht, so Julien, im Vorhandensein vierer Komponenten: Zwei sich gegenläufig drehende Rotoren, ein „Supraleiternetzwerk“, ein „zentraler Oszillator“ und ein peripherer Torus [2]. Interessanterweise sind dies völlig unzureichende Angaben. Was wird durch das „Supraleiternetzwerk“ geleitet? Woraus besteht der „zentrale Oszillator“? Welchen einzelnen Nutzen haben diese Komponenten? Welche Materialien werden verwendet? Wie steht ihre Wirkweise miteinander in Verbindung? Fragen, über die uns Julien im Unklaren lässt, was seinen Erklärungsversuch natürlich erheblich schmälert. So verstehen wir nicht, warum die genannten Baugruppen eine Veränderung der Zeitdichte oder Flugfähigkeit hervorrufen und die nachgenannten Effekte, etwa die Beeinflussung der Wahrnehmung und technischen Messung (etwa mit Radar) sowie von Lichtstrahlen und Schallwellen der Raumschiffe bleiben auf unbekannter Basis, Vorschläge für Experimente, um die Effekte nachzuweisen, fehlen.
Unerklärte, spekulative Wirkweisen vermengt Julien in seiner Theorie auch mit physikalischem Unsinn: Bose-Einstein-Kondensat, ein Aggregatzustand quantenmechanischer Teilchenähnlichkeit, lässt sich nicht durch Manipulation der Zeit in irgendeiner Form erzeugen, sondern nur durch starke Abkühlung, also Verringerung der mittleren kinetischen Teilchenenergie ganz spezieller Gase [15]. Warum ein „Raumschiff“ das in seiner Umgebung durchführen sollte, bleibt ungeklärt, ebenso wie die Frage, warum zusätzlich „Wasserdampf entlang des Rumpfs kondensiert“ oder warum willentlich auf diese Weise Wolken erzeugt werden sollten.
Julien erläutert das Prinzip der Gravitation als Kraft zur Massenbeschleunigung korrekt. Es ist auch richtig, dass, wenn mehr Zeit bei der Bewegung derselben Masse bei gleichem Weg vergeht, eine geringere Kraft resultiert als bei kürzerer Zeit. Wie dabei jedoch ein negativer Effekt zustande kommen soll, ist unklar: Wie klein (oder groß) ich den Faktor t in der Formel F = m · s/t auch wähle, die Kraft wird niemals einen negativen Wert annehmen. (Ganz abgesehen davon, auf welche Weise es das Raumschiff schafft, mit den genannten Bestandteilen „lokal mehr Zeit zu produzieren“.) Die zentrale Funktion für Juliens „Raumschiffe“, ihre Flugfähigkeit, ist damit schlichtweg nicht gegeben!

Kornkreise

Ein weiteres Phänomen, das Eric Julien mit seiner „Theorie der Absoluten Relativität“ einer Erklärung zuführen will, ist das der Kornkreise, laut Julien „ein Produkt der Kreativität von Außerirdischen“ [2]. Als erstes ist anzuführen, dass Julien wiederum die Motivation dieser Außerirdischen, in vom Menschen angelegte Kornfelder durch Halmbeeinflussung Muster zu generieren, nicht nennt. Bekannt ist allerdings, dass eine Vielzahl von Kornkreisen von sehr menschlichen Verursachern stammen, die diese Aktivitäten denn auch bestätigten [16]. Ein Kriterium zur Unterscheidung „echter“ Kornkreise hat Julien nicht parat.
Stattdessen erläutert er die Erzeugung eines Kornkreises mit Hilfe der Zeitdichtenänderung: „Ein Schiff der Größe eines Glühwürmchens (manchmal unsichtbar) (sic! Falsifizierbarkeit?) […] verursacht eine Kältezone […].“ Durch Kondensation werden Halme aufgeweicht, dann erhitzt und niedergedrückt. Ein solcher Einfluss (Einwirkung von Feuchtigkeit und Hitze sowie eines Magnetfeldes) sollte in Kornkreisen nachweisbar sein. Nachgewiesen wurde bis dato aber lediglich eine mechanische Beeinflussung der Halme durch Umknicken. Den Nachweis für die Aktivität Außerirdischer bleibt uns Julien ein weiteres Mal schuldig.

Extratemporale Außerirdische

Weitere Ausführungen Juliens beziehen sich auf die Außerirdischen selbst. Er verortet ihren Lebensraum in „Zeitquanten […] unterhalb der Skala von Quarks“. Wie dort etwas oder jemand existieren kann, warum es als Leben definiert werden kann, auf welche Weise es sich in der makroskopischen Welt manifestieren kann (Raumschiffe! Kornkreise! Entführungen!), warum Kernspaltung diesen Lebensraum bedroht, ihn aber offensichtlich noch nicht völlig zerstört hat und wie ein tatsächlicher Kontakt mit derartigen Lebewesen stattfinden soll, auch das erwähnt Julien nicht. Für weitere Erkenntnisse über die von Julien beschriebenen Außerirdischen scheinen wir also ausschließlich auf seine eigenen Erfahrungen angewiesen zu sein. Dadurch stellt sich natürlich die Frage, aus welchen Gründen wir gerade den Erklärungen Eric Juliens über diese Aliens und nur diesen Glauben schenken wollen und nicht etwa den Beschreibungen eines George Adamski, eines Billy Meier, eines Travis Walton, eines Whitley Strieber, oder einer anderen Person, die vermeintlich mit Außerirdischen in Kontakt getreten ist (die Anzahl dieser Personen scheint unermesslich zu sein [vgl. 17]) und deren Aussagen denen Juliens teilweise erheblich widersprechen? Solange von Julien kein stichhaltiger Beleg für die Existenz „seiner“ Extraterrestrier vorliegt, bleibt die Annahme seiner Erläuterungen reine Glaubenssache und stellt keine Theorie im Wortsinne dar.

Schlussfolgerungen

9781601771018.jpgDie „Theorie der Absoluten Relativität“ und ihre Anwendung lässt sich in „The Science of Extraterrestrials“, einem ufologischen Buch, im Selbstverlag herausgegeben von Eric Julien, nachlesen. Sie erfährt keine Erläuterung in einem Artikel für naturwissenschaftliche Fachzeitschriften oder auf Fachtagungen. Es werden keine Belege geliefert oder Experimente vorgeschlagen, um ihren Nutzen nachzuweisen. Der Verdacht liegt daher leider nahe, dass hier finanzielle Interessen statt wissenschaftlichen vorliegen, zumindest finden sich dafür weit logischer erscheinende Hinweise als für Juliens Thesen.
Es lässt sich sogar aufzeigen, dass sich bei den Inhalten der „Theorie der Absoluten Relativität“ nicht einmal um Juliens eigene Thesen handelt! Die Idee von drei Dimensionen der Zeit, die einem Welle/Teilchen-Dualismus unterliegt, einschließlich ihrer Anwendung auf UFO-Sichtungen und paranormale Phänomene lässt sich nämlich auf russische Wissenschaftler wie N.A. Kozyrew, O. Bartini, A. Weinik und V. Tschernobrow zurückführen, die sie bereits in den 50-er Jahren des letzten Jahrhunderts zu entwickeln begannen [9]!
Was bleibt also als Fazit einer kritischen Untersuchung der „Theorie der Absoluten Relativität“ zu sagen? Juliens Thesen und deren unreflektierte Anwendung stellen sich als Vermengung von plagiierten exotischen physikalisch-theoretischen Spekulationen, veröffentlicht von einem fachlichen Laien in populärwissenschaftlicher Eigenproduktion dar. Sie ernst zu nehmen, ist daher weder der Fachwelt noch der UFO-Forschung anzuraten und eine experimentelle Bestätigung (da die Grundtheorien bereits Jahrzehnte alt und unbestätigt sind sowie Juliens Aussagen hochgradig lückenhaft oder widersprüchlich bleiben) bleibt unwahrscheinlich. Die Rückkehr zu einer „menschlichen Wissenschaft“ ist angebracht.

Quellen

[1] Julien, Eric: Science of the Extraterrestrials : Teil 1. In: Journal für UFO-Forschung 27 (2006), Nr. 5, S. 143–147
[2] Julien, Eric: Science of the Extraterrestrials : Teil 2. In: Journal für UFO-Forschung 27 (2006), Nr. 6, S.174–182
[3] Julien, Eric: Decide Whether We Should Show Up!
http://www.ovni007.com/id22.html, Zugriff am 16.01.2007
[4] Julien, Eric: The Biggest Discovery of all Times.
http://quanthomme.free.fr/energieencore/anglaisericjulien.htm, Zugriff am 16.01.2007
[5] Wagner, Martin: Kein Weltuntergang am 25.Mai 2006.
http://www.martin-wagner.org/weltuntergang_2006.htm, Zugriff am 16.01.2007
[6] Julien, Eric: Save Lives inMay.
http://www.savelivesinmay.com/, Zugriff am 16.01.2007
[7] Julien, Eric: La Science des Extraterrestres. Agnières : JMG Editions, 2005
[8] Julien, Eric: The Science of Extraterrestrials.
http://www.uforc.com/news/Allies-publishing_090106.htm, Zugriff am 16.01.2007
[9] UFO Updates : Translation Of A Report On Julien/Ederman.
http://www.virtuallystrange.net/ufo/updates/2005/jul/m18-040.shtml, Zugriff am 16.01.2007
[10] Fischinger, Lars A. ; Horn, Roland M.: UFO-Sekten. Rastatt : Pabel-Moewig-Verl. 1999
[11] Festinger, Leon ; Riecken, Henry W. ; Schachter, Stanley: When Prophecy Fails : A Social and Psychological Study of a Modern Group Predicted the Destruction of the World. New York : Harper and Row Publishers, 1956
[12] Ici & Maintenant: Décidez si nous devons apparaître!
http://www.nseo.com/message.htm, Zugriff am 16.01.2007
[13] Wikipedia: Zeit. http://de.wikipedia.org/wiki/Zeit, Zugriff am 16.01.2007
[14] GEP e.V.: UFO-Beobachtungen. http://gep.alien.de/sonstiges_ufo-beobachtungen.htm, Zugriff am 16.01.2007
[15] Wikipedia: Bose-Einstein-Kondensat. http://de.wikipedia.org/wiki/Bose-Einstein-Kondensat, Zugriff am 16.01.2007
[16] Hoos, Harald ; Brunner, Florian: Kornkreise : Rätsel in mystischer Landschaft. Beust, 2002
[17] Hopkins, Budd ; Jacobs, David M. ; Westrum, R.: Unusual Personal Experiences : An analysis of data from three National surveys conducted by the Roper Organization. Nevada : Bigelow Holding Corporation, 1992

Aus: jufof Nr. 169 – 01/2007

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