Jason Mason: Mein Vater war ein MIB

Jason Mason: Mein Vater war ein MiB (Men in Black)
Das Geheime Weltraumprogramm, die Antarktis-Deutschen und die Aliens – ein Whistleblower packt aus!

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe noch nie so viel geballten Unsinn in einem Buch gesehen. Nun… mit über 650 engbedruckten Seiten Umfang hat man auch eine Menge Platz, um fast alle themenbezogenen Verschwörungstheorien, die sich im Internet finden lassen, hier gesammelt wiederzugeben.

Auch wenn als Autor ein gewisser Jason Mason (Pseudonym) angegeben wird, ist der eigentliche Autor meiner Vermutung nach wohl eher Jan van Helsing, alias Jan Udo Holey, der laut Wikipedia »als Autor geschichtsrevisionistischer und rechtsesoterischer Bücher bekannt wurde. Er geriet aufgrund antisemitischer Äußerungen im Kontext seiner Verschwörungstheorien in die öffentliche Kritik. Wissenschaftler und der deutsche Verfassungsschutz bezeichneten ihn in diesem Zusammenhang als rechtsextremistischen Esoteriker.«

Ich muss zugeben, dass ich das Buch in Gänze nur quergelesen habe. Es komplett durchzulesen war mir einfach zu ermüdend. Das sollten Verschwörungsanhänger machen oder die, die sich über Art und Ausprägung von Verschwörungstheorien innerhalb der Ufologie und Prä-Astronautik ausführlich informieren möchten.

Mein Interesse an dem Buch wurde überwiegend durch den Hinweis geweckt, dass hier offenbar der Sohn eines ehemaligen M.I.B. Hintergründe zu den Aufträgen und Tätigkeiten seines Vaters preisgeben würde. Doch was ich dann an Details hierzu lesen musste, war phantasievolles Geschwafel. Van Helsing hat Mason, den Sohn des M.I.B., interviewt. Daraus ergibt sich eine Geschichte, die zeigt, wie sich Mason / van Helsing verschiedener Verschwörungsszenarien und Science-Fiction-Filmen bedient, die dann zu substanzlosen und unbewiesenen Behauptungen zusammengesetzt werden. Sein Vater war natürlich nicht nur ein M.I.B., sondern auch noch ein Großmeister der Rosenkreuzer. Er selbst stamme aus der Blutlinie von Jesus Christus (Dan Brown lässt grüßen) und sei auch mit dem britischen Okkultisten Aleister Crowley verwandt. Die M.I.B., die zuerst mit ihm Kontakt aufnahmen und ihn zu seinem leiblichen Vater führten, hießen Waldemar und Ernst – klar… altdeutsche Namen.

Ansonsten werden wir hier mit verschiedenen Verschwörungstheorien konfrontiert, sei es die Hohlwelt, »dunkle Kräfte«, Zeitlinien, eine geheime Weltregierung, die »Luzifer-Rebellion« u.v.m. Dagegen wirken die folgenden Ausführungen schon fast entspannend, als Mason / van Helsing über den Ursprung der Men in Black berichtet.

Auch ist die gesamte Geschichte in sich unlogisch. Wenn er doch so der große »Whistleblower« ist und geheimste Geheiminformationen ausgerechnet dem Protagonisten der deutschen »Rechtsesoterik« statt den Nachrichtenmagazinen »Spiegel« oder »Focus« preisgibt, warum wird er dann nicht einfach »beseitigt«? Schließlich ist dessen Identität ja den M.I.B. bekannt. Fazit: Das Kapitel M.I.B. kann man sich schenken, es ist Lichtjahre von einem authentischen Bericht entfernt.

Auch um die weiteren Inhalte sieht es nicht besser aus. Hier geht es um den Aufstieg des Antichristen, um Kulte, mafiöse Organisationen, die Geheimnisse von Fatima, die Jesuiten, um das Lacerta-Interview (Interview mit einem weiblichen Reptiloiden), die Dulce Basis, um das Vierte Reich, reichsdeutsche Flugscheiben, geheime Weltraumprogramme, um die Mondverschwörung, um die geheime Apollo-20-Mission (längst als Schwindel entlarvt), um eine deutsche Basis in der Antarktis, MJ12, um die »Glocke«, usw.

Leider ist es fast unmöglich, in dem Buch Fakten von Spekulationen, wilden Behauptungen und erfundenen Geschichten zu trennen. Dazu wären zeitaufwändige Recherchen erforderlich und die möchte ich mir nicht antun. Was mich aber auf Anhieb interessierte, war z. B. dieses Bild:

Es soll sich um ein Foto vom Bau eines großen Raumschiffes auf der Erde handeln (S. 223). Tatsächlich ist es eine grafische Umsetzung eines U-Boot-Flugzeugträgers aus dem Computerspiel »Ace Combat 5 – The Unsung War«, in dem man in einer Mission ein solches U-Boot zerstören muss:

An anderer Stelle präsentiert in einem Foto »der Autor William R. Lyne einen Teil des Steuerungssystems einer deutschen Flugscheibe aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs«. (S. 454) Tatsächlich handelt es sich einfach nur um einen sogenannten Peiltochterkompass PKT-p2 von 1944, der in verschiedenen Flugzeugen verbaut war (Quelle).

Auf Seite 228 wird uns das bekannte UFO-Foto des Kapitols in Washington, DC präsentiert:

Dazu heißt es auf Seite 227: »Der echte Grund für die Formierung der Bilderberger-Gruppe kann zu den ersten Sichtungswellen von Fliegenden Untertassen über US-Städten im Jahr 1952 zurückverfolgt werden. Der Überflug von UFOs über das Weiße Haus in Washington D.C. im Sommer 1952 war nach Aussagen von Regierungsinsidern der wichtigste von allen. Diese Untertassen waren deutsche Flugscheiben, die von versteckten Basen in der Antarktis kamen.« Das Bild ist nur ein Ausschnitt aus einer größeren Aufnahme vom 19.7.1952:

Einer Recherche von Vicente-Juan Ballester Olmos zufolge, stammt die Aufnahme eines unbekannten Fotografen nicht aus dem Jahre 1952, sondern aus dem Jahre 1965 und ist ursprünglich ein Farbfoto:

Eine Analyse zeigt zweifelsfrei, dass es sich bei den Lichtern um Linsenreflexionen handelt.

Das müsste eigentlich auch dem Autor des vorliegenden Buches bekannt sein. Über eine schnelle Recherche im Internet, das er doch eifrig für seine Ausführungen genutzt hat, hätte er die Erklärung leicht ermitteln können. Somit komme ich zu dem Verdacht, dass er bewusst seine Leser täuscht.

Also mal ehrlich… van Helsing fordert immer von seinen Lesern kritisches Denken. Wenn man das jedoch auf dieses Buch anwendet, wird einem schwindelig. Der Inhalt mag etwas für naive Verschwörungsanhänger zu sein. Aber die, die in der Lage sind Fakten von erfundenen Zusammenhängen zu trennen und Inhalte kritisch zu würdigen wissen, werden erkennen, dass das Werk aus einer Ansammlung haltloser Behauptungen besteht. Ich frage mich wirklich, wer hier wen desinformiert, d. h. für mich ist es klar.

Verschwörungstheorien beruhen durchaus auf realen Ereignissen und Fakten. Wie sie entstehen können, lässt sich hier nachlesen. Wohin der Verschwörungswahn führen kann, sieht man an diesem Beispiel: 

Hier bietet die Betreiberin der Internetplattform ihre Meldeseite für UFO-Sichtungen an und schreibt dazu: »Am besten, eher nicht bei der NLFZ, der DASA, MUFON, GEP Ufo-Datenbank oder gar der Cenap melden, da alle vom CIA & Maj12 & NSA Infiltriert sind. Auch GEP, ist in Debunker Aktionen Verstrickt. Auch die US Organisation MUFON ist infiltriert!« Wenn ich so einen verblödeten Unsinn lese, bekomme ich Schnappatmung. Noch schlimmer ist allerdings, dass hier tatsächlich Augenzeugen ihre UFO-Sichtungen melden.

Van Helsing befriedigt mit seinem Buch in vollem Umfang die Erwartungshaltung seiner Verschwörungsanhänger und füttert sie mit weiterem Blödsinn. Normalerweise halte ich mich mit harten Worten zurück, aber hier sind sie wirklich erforderlich. Das einzig Positive: Man erhält viele bedruckte Seiten für einen vergleichsweise geringen Preis und hat fast alle ufologischen Verschwörungstheorien gesammelt in einem Buch vereint. Man muss sie sich nicht mehr mühsam aus dem Internet zusammensuchen und das kann ganz hilfreich für eigene Studien sein – ebenso wie das von van Helsing zusammengestellte ausführliche Quellenverzeichnis.

Erschreckend finde ich allerdings die vielen positiven Kommentare auf amazon.de. Entweder sind die gekauft, bzw. selbst eingestellt oder aber… armes Deutschland…
Hans-Werner Peiniger  * * * * *

672 Seiten, gebunden, illustriert, ISBN: 978-3938656815, 33,00 €.

Amadeus-Verlag
www.amadeus-verlag.de
Fichtenau, 2017

Quelle: JUFOF Nr. 238, 4/2018: 122 ff
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