Greg Eghigian: After the Flying Saucers Came

A Global History of the UFO Phenomenon

Es gibt bereits einige Darstellungen der Geschichte der UFOs, unter anderem von Paris Flammonde, Curtis Peebles, Otto Billig oder Bartholomew und Howard. Das Buch des Historikers Greg Eghigians schreibt die Darstellung nicht nur bis heute fort, sondern schildert, wie sich die UFOs und die UFO-Forschung entwickelten, ohne Partei zu ergreifen. Das ist interessant, und es gelingt ihm auch – wenn auch mit der Einschränkung, dass es sich deshalb in weiten Teilen um eine Geschichte der UFO-Erforscher handelt. „UFOs schreiben keine Geschichte“, meint er in der Einleitung (S. 7), „Menschen machen UFOs, die Geschichte machen.“ Das soll nicht bedeuten, dass es sich um ein skeptisches Buch handelt – die Frage nach Sein oder Nichtsein der UFOs wird einfach nie erörtert. „Der Zweck des Buchs ist nicht zu beweisen, dass unbekannte Flugobjekte aus dem Weltall stammen und Außerirdische uns hier auf der Erde besucht haben. Es geht aber auch nicht darum, UFOs und Berichte über Begegnungen mit Außerirdischen zu entlarven. Vielmehr nimmt es historische Akteure und ihre Aussagen über ihre Erlebnisse ernst.“ Und er stellt fest (S. 8): „Sehr treffend hat der Soziologe Arnaud Esquerre beobachtet, dass UFOs nicht durch ihr Auftauchen, sondern vielmehr durch ihr Verschwinden so mysteriös sind. Ihre flüchtige Natur hinterlässt Ungewissheit.“ Diese Ungewissheit hält Eghigian aus.

Das Buch beginnt mit einem Blick auf die epochale Sichtung von Kenneth Arnold und erweitert dann die Sicht: Geisterraketen 1946, zunächst in Skandinavien, dann in anderen Ländern.

Das nächste Kapitel schaut weiter zurück, ins Mittelalter und zu den Luftschiff-Wellen von 1896/97 und 1909.

Auch er stellt fest (S. 24): „Im Gegensatz zu dem Buch von Vallée und Aubeck verorten Historiker bei Himmelswundern ihre Darstellungen in der jeweiligen Zeit und an dem jeweiligen Ort und enthüllen die Absicht der Autoren und die Art und Weise, wie die Geschichten verbreitet wurden.“ So seien viele der jahrhundertealten Erzählungen eben im Kontext von Seeungeheuern, Geistern oder Marienerscheinungen zu betrachten. Wie auch die Luftschiffe – man kann sie nicht vom UFO-Kontext aus sehen, sondern muss sie als Luftschiffe ernst nehmen. Deren Kommen war nämlich längst vorhergesagt: „Die renommierte Zeitschrift ‚Scientific American‘ veröffentlichte in den Jahren 1845–1865 allein 57 Artikel zur Luftfahrt und vergab im Jahr 1860 einen Preis von 1.000 US-Dollar für jeden, der bis September 1861 ein funktionierendes Luftschiff baute.“ (S. 29) Die Berichte des frühen 20. Jahrhunderts müssen vor dem Hintergrund der Angst vor dem Deutschen Reich betrachtet werden.

Andererseits spukten Aliens bereits im 19. Jahrhundert durch die Köpfe: Neue Religionen wie die Mormonen, die Sieben-Tages-Adventisten oder die Theosophie der Helena Blavatsky gingen von außerirdischem Leben aus, beim Spiritismus kam es zu Kontakt mit Aliens, Wissenschaftler versuchten, Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Nicht zu vergessen dann auch Charles Fort. Die Bühne war also bereitet.

Das war vor 1947 – wie ging es danach weiter? Das nächste Kapitel widmet sich „Raumschiffe[n], Verschwörungen und [der] Geburt der UFO-Detektive“ – also den 50er Jahren, die. Der Himmel war plötzlich voll mit neuen Fluggeräten wie Jets, die Zeitungen brachten UFO-Meldungen (die man anfänglich noch für sowjetische Geheimwaffen hielt), die Boulevardpresse, allen voran die SF-Pulp-Hefte von Palmer und Arnold (Fate ab 1948), die erste Verschwörungstheorie,  ganz von Beginn an, mit der Maury Island-Episode. Die Luftwaffe mit ihren Projekten SIGN und GRUDGE gab eine nüchterne Beurteilung der Sichtungen, dazu regte sich der Widerstand der Zeugen und Befürworter (hier mit einer Kurzbiografie von Donald Keyhoe).

Schnell durcheilen wir den Schwindel von Frank Scully, die SF-Filme der 1950er, das Foto von McMinnville, Oregon. Im April 1952 erschien ein Pro-UFO-Artikel in Life, und dem folgte die amerikanische Welle vom Sommer 1952. „Ufologen und Skeptiker deuteten die Flut an gemeldeten Sichtungen später unterschiedlich. Unübersehbar ist die herausragende Rolle der Medien, die nicht nur über UFO-Sichtungen berichteten, sondern diese auch aktiv förderten. Selbst wenn UFOs tatsächlich häufiger auftauchten, nutzten die Medien die Situation oft für ihre Zwecke.“ (S. 71) Das befeuerte Befürchtungen der Geheimdienste, im Ernstfall könne man nicht mehr auf sowjetische Bedrohungen reagieren – das sogenannte Robertson-Panel der CIA empfahl, möglichst viele Beobachtungen als erklärt darzustellen, um der Öffentlichkeit die Lust zu nehmen, den Behörden UFOs zu melden. Andere Skeptiker begannen mitzuspielen. Martin Gardner und Donald Menzel wollten die Wissenschaft retten. „Damals wurden zwischen Gläubigen und Skeptikern die Grenzlinien für die ewige Debatte über unbekannte Flugobjekte gezogen.“ (S.80)

Es folgt ein Kapitel über die weltweite Entwicklung des Phänomens von 1947–1960. Die ersten amerikanischen Berichte fanden weltweiten Nachhall: Nach Giuseppe Stilo wurden die ersten ausländischen UFOs „vierzehn bis achtzehn Tage nach der Sichtung von Kenneth Arnold gemeldet. In einigen Fällen – in der Sowjetunion, Vietnam, Portugal und Rumänien – erschienen die ersten datierten Berichte erst 1948“. (S. 85) Die Begrifflichkeiten gingen rasch in den allgemeinen Sprachgebrauch über, denn UFOs verschwanden zwar Ende 1947 aus der Presse, lebten dann aber 1948 mit dem Fall Mantell wieder auf – und sind seither nie wieder von uns gewichen.

In den 1950er Jahren, die Gestalt und Inhalt der UFO-Begegnung definierten, entstanden auch zahlreiche Spielarten des UFO-Phänomens. Erste „Erfinder“ der fliegenden Untertassen meldeten sich bei der Presse, darunter auch Menschen, die an der Nazi-Untertasse gearbeitet haben wollten. Die ersten MIBs wurden gemeldet, die ersten UFO-Wellen außerhalb der USA (1950 in den USA, Italien und Lateinamerika), die ersten UFO-Vereinigungen entstanden und waren erfolgreich: Leonard Stringfields Zeitschrift Orbit hatte im Herbst 1954 bereits 2500 Abos. 1952 gründete die langjährige Forteanerin und Feministin Coral Lorenzen die APRO, sie konnte Wissenschaftler wie Harder und Salisbury interessieren und setzte vor allem auf Falluntersuchungen. 1956 wurde NICAP etabliert. APRO brachte Wissenschaft in die UFO-Forschung, NICAP die Verschwörungsvorstellungen. Weltweit wurden UFO-Gruppen gebildet, selbst der Schweizer Weltraumbote hatte im November 1955 eine Auflage von 2500 Exemplaren! 1955 erschien die Flying Saucer Review, im Februar 1958 zum ersten Mal Lumières dans la nuit. 1954 kam es zur ersten massiven Welle in Frankreich und zum ersten „Durchbruch“ der Forschung: Aimé Michels Orthotenie.

Das fünfte Kapitel handelt von den Kontaktlern. Wir erfahren von Adamski, seinen Kontakten und seiner Welttournee, und von seinen Kritikern wie Arthur C. Clarke oder Jim Moseley. „Was Donald Keyhoe für die Erforschung fliegender Untertassen bedeutete, bedeutete George Adamski für den Kontakt mit Außerirdischen. Er machte das Thema nicht nur durch das Erzählen einer fesselnden Geschichte populär, sondern trug auch zur Schaffung einer neuen Art öffentlicher Karriere bei, die schnell unter dem Begriff ‚Kontaktler‘ bekannt wurde.“ (S. 124)

Es folgt eine Übersicht über Adamskis Nachfahren, Truman Bethurum, George Hunt Williamson (der mit dem Nazi William Dudley Pelley zusammenarbeitete und erklärte, der Film „The Day the Earth Stood Still“ solle die Menschheit auf die UFO-Wahrheit vorbereiten), 1954 Salvador Villanueva Medina (der mexikanische Adamski), George Van Tassel (Kontakt mit Ashtar, berühmt seine Interplanetary Space Convention am Giant Rock 1954 bis 1977), Daniel Fry und Orfeo Angelucci. Bryant und Helen Reeve besuchten alle diese Kontaktler und erklären den Beginn des von den Theosophen ausgerufenen New Age.

Als zweite Generation kamen Reinhold Schmidt und Buck Nelson oder in England George King. Es war tatsächlich eine welt-weite Bewegung: In Brasilien trat Dino Kraspedon auf, in Spanien Fernando Sesma (der UMMO erschuf). Die Kontaktlerbewegung war zunächst rein weiß, dann gab es auch einige People of Color: der Führer der Nation of Islam, Elijah Muhammad, und der Musiker Sun Ra. Auch Frauen waren selten, meldeten sich aber doch zu Wort, etwa in Südafrika Elizabeth Klarer. Es kam zu ersten Katastrophen: Im September 1962 erfuhr Gloria Lee von ihren außerirdischen Kontakten, dass sie eine Rolltreppe aus Licht zum Jupiter nehmen solle. Bis es soweit sei, müsse sie aber fasten. Frau Lee verhungerte.

Eghigian wertet weder die Kontaktler noch ihre Botschaften, es gibt keinen Spott, doch er weist auf die große Skepsis in der UFO-Gemeinschaft hin: APRO lehnte Kontaktler ab, NICAP ohnehin. Als NICAP herausfand, dass George Adamski, Orfeo Angelucci, Truman Bethurum, Howard Menger, Buck Nelson, Reinhold Schmidt und George Van Tassel allesamt Mitglieder waren, warf Keyhoe sie im August 1958 hinaus. Auch Isabel Davis von der New Yorker Civilian Saucer Intelligence kritisierte die Bewegung scharf.

Demgegenüber kam es ab 1954 verstärkt zu „konventionellen“ CE III. Eghigian erwähnt die französische Welle und betrachtet einige CE III-Fälle, etwa den der Aliens, die der Hausfrau Rosa Lotti Dainelli am 1. November 1954 die Strümpfe stahlen, oder den beängstigenden Fall von Hopkinsville in Kentucky am 21. August 1955 – Fälle, die es ermöglichten, die ETs auch negativ zu betrachten. Eghigian bietet zahlreiche konventionelle Erklärungen für Hopkinsville an, mit dem abschließenden Hinweis, dass sie sich als nicht stichhaltig erwiesen haben.

Weitere Wendemarken sind der Fall Antônio Vilas Boas im Oktober 1957 sowie die Entführung der Hills. Hier wurde zum ersten Mal Hypnose eingesetzt, allerdings, um Probleme zu mildern, nicht um die Wahrheit herauszufinden. „Für Lorenzen und Fontes deuteten all diese Fakten auf Vorsatz hin. Von 1946 bis 1955 führten die Außerirdischen Aufklärungsmissionen durch. 1956 traf Verstärkung ein. Wir standen kurz vor einer Invasion, die bereits 1966 stattfinden sollte.“ (S. 160)

Die Lage war ernst, und die Wissenschaft sollte Lösungen finden. Darum geht es im nächsten Kapitel. Im Oktober 1966 stimmte die University of Colorado zu, eine UFO-Untersuchung zu unternehmen, die berühmt-berüchtigte Condon-Studie. Auch private Gruppen, z.B. in Spanien oder die BUFORA in Großbritannien, wollten nun wissenschaftlich arbeiten – mit Ausnahme der DUIST, die ein Kontaktlerverein blieb. Die Dichotomie zum Glauben blieb also. Das zeigte sich auch in einer Strömung, die nun stark wurde, der Prä-Astronautik. Eghigian stellt sie breit dar (ab 1959 in der Sowjetunion Matest Agrest, 1960 Louis Pauwels und Jacques Bergier, ab 1963 Robert Charroux, in den USA und Großbritannien Morris Jessup, Desmond Leslie, Brinsley Le Poer Trench, Harold Wilkins, George Hunt Williamson und in Italien Peter Kolosimo. Däniken war ein Spätzünder, aber er machte das Rennen.).

Auf der wissenschaftlichen Seite erfolgten Studien der Ufologie hauptsächlich durch die Sozialwissenschaften: 1954 stellte der französische Kinderpsychiater Georges Heuyer seine Theorie der Psychopathologie der Ufologie vor, 1956 untersuchten Leon Festinger, Henry W. Riecken und Stanley Schachter eine UFO-Sekte in When Prophecy Fails, 1958 veröffentlichte C.G. Jung Ein moderner Mythus: Von Dingen, die am Himmel gesehen werden. Und es entstand die sich als wissenschaftlich verstehende Bewegung  kritischer Stimmen, zunächst vertreten durch Donald Menzel.

Astronomen interessierten sich zwar für SETI, aber nicht für UFOs. Stichworte: Project Ozma, Frank Drakes Gleichung, Josef Schklowskii in der Sowjetunion, Carl Sagan. Walter Sullivan von der New York Times schrieb sein Buch We are Not Alone,

Die naturwissenschaftlichen Parameter von UFOs wollten nur von UFOs überzeugte Wissenschaftler erforschen. Führende Köpfe wie Hynek von der Northwestern University und Jacques Vallée gründen das „Invisible College“. Hynek spürte, nachdem er in Dexter, Michigan, seine Sumpfgas-Erklärung abgegeben hatte, immer stärker den Drang, seiner Überzeugung Ausdruck zu verleihen, UFOs seien echte physische Objekte. Zu dieser losen Vereinigung gehörten Fred Beckman, Douglas Price-Williams, Ted Phil-lips, Pierre Guérin, Rémy Chauvin und Claude Poher (der später GEPAN leitete).

Doch am stärksten blieb von dieser Zeit der Condon-Report in Erinnerung. Das Buch erzählt sehr ausführlich von Condon, der – selten genug gesagt – ein sehr tapferer Mann war. Mehrmals stand er vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe des Kommunistenfressers McCarthy, stets blieb er standhaft. Er war genau die Person, die eben auf Anweisung von oben nicht ein-knickt – was viele seiner Kritiker gern vergessen. Condon hatte nicht geahnt, wie emotional das UFO-Thema besetzt war, und die Universität nahm die Anfrage der Air Force an, bevor man sich überhaupt über  die Methodologie für das Vorgehen bei einem solch umstrittenen Thema geeinigt hatte. Condons Schlussfolgerungen, wir erinnern uns, waren letztendlich negativ, wurden aber von einem wissenschaftlichen Review-Panel bestätigt.

Hynek wandte sich immer mehr den UFOs zu, attackiert von dem ungeduldigen James McDonald, der eine Anhörung vor dem House Science and Astronautics Committee durchsetzte, bei der am 29. Juli 1968 McDonald und Hynek, Stanton Friedman, James Harder, Frank Salisbury und Leo Sprinkle aussagten.

Wegen des Condon-Berichts oder aus anderen Gründen – Anfang der 1970er waren UFOs tot: keine Sichtungen, keine Presse, Zeitschriften kämpften mit dem Desinteresse der Abonnenten. Durch die Welle von 1973 mit Humanoidensichtungen in den USA (z.B. Pascagoula, Mississippi) kam die Renaissance – allein von August bis Dezember 1973 verzeichnete David Webb 70 Begeg-nungen der dritten Art! Eghigian denkt, dass auch der Rückzug offizieller Stellen seinen Anteil an dieser Explosion hatte: „Während der amerikanischen Welle von 1973 hatte sich die US Air Force offiziell aus der UFO-Ermittlung zurückgezogen. Die Zeugen kontaktierten in der Regel die örtliche Polizei oder Journalisten. Lokale Zeitungen wiederum erhielten Hinweise von Zeugen oder der örtlichen Polizei.“ (S. 223)

Mit der Welle kam die Wiedergeburt des Phänomens, Hyneks Bücher erschienen, MUFON wurde gegründet, militärische Un-tersuchungen begannen in Spanien und in Frankreich (GEPAN). Es folgt ein Exkurs zur UFO-Forschung in Asien (Japan, Sri Lanka, Malaysia und China). Die 1970er brachten aber auch das Erstarken der psychosozialen UFO-Forschung in Europa, in Spanien, Schweden, Deutschland (ein längerer Abschnitt zu CENAP), in Österreich mit Luis Schönherr und in Großbritannien mit Jenny Randles und ihrem „Oz Factor“ (S. 257)

Nach wie vor war die akademische UFO-Forschung überwiegend in Händen der Naturwissenschaften: neurowissenschaftlich durch Michael Persinger, von Seiten der Physik durch Peter Sturrocks Fragebögen (es folgt ein Exkurs über Umfragen zum Thema UFOs in unterschiedlichen Ländern), dazu kamen soziologische Untersuchungen von UFO-Kulten (von denen zwei genauer vorgestellt werden: Claude Vorilhon und die Rael-Bewegung sowie Bo und Peep [Heaven’s Gate]).

Verwandt mit der psychosozialen These, aber weniger streng in der Auffassung ist die paranormale These, die den Ursprung der UFOs nicht auf anderen Planeten, sondern in anderen Dimensionen sucht, mit Überschneidungen zur Parapsychologie und sogar Dämonologie. Genannt werden Charles Bowen von der FSR, Vallées Kontrollinstanz und Keels Dämonen (S. 251ff.), die Gordon Creighton (FSR) akzeptiert, der immer paranoider wird. Das bestärkt wiederum die PST, die nicht mehr die Psyche ma-nipulierende externe Kräfte, sondern die Psyche selbst als Ursache der UFO-Sichtungen betrachtet, vertreten durch Michel Monnerie, Bertrand Méheust, Thierry Pinvidic und Eduardo Russo.

Und ebenso zu den 1970ern gehört die organisierte Skeptiker-Bewegung, CSICOP, Truzzi, Skeptical Inquirer, Philip J. Klass.

Der nächste Umbruch geschieht in den 1980er Jahren, in denen es fast nur noch um Verschwörungen und Entführungen geht (Kornkreise kommen im Buch nicht vor). Mit Bennewitz und John Lear startet die Whistleblower-Ära.

Entführungen gab es schon vor 1980: Nach der Hills-Entführung wurden sie in Brasilien und Argentinien gemeldet, 1975 kam Travis Walton, 1976 Mary Louise Smith, Mona Stafford und Elaine Thomas. Mitte der 1970er Jahre war das Szenario mit vielen Details komplett.

Hypnose wurde zum wichtigsten Mittel, Entführungen aufzudecken: Der Psychologe Leo Sprinkle begann die Praxis, ihm folgten ab 1975 Ann Druffel und Raymond E. Fowler. So schufen Entführte und Forscher gemeinsam das Regelwerk für Entführungen: „Im Rückblick ist offensichtlich, dass Entführte und Ermittler an einer Art improvisiertem Tanz teilnahmen. Keiner der Partner wusste so recht, wohin der andere sie führen würde, aber die sich ergebenden Szenarien der Entführung durch Außerirdische er-forderten beide Seiten.“ (S. 279)

Wir reisen durch die Welt der Entführungsforscher, von Hopkins über Jacobs zu Mack und sogar Fiebag,  auch die Entfremdung zwischen Carol Rainey und Budd Hopkins wird angesprochen. Strieber stellte sich gegen Hopkins, verkündete seine eigene spirituelle Form der Entführung, und gründete Gruppen im ganzen Land.

Einwände gegen die Hypnose und die Art der Therapie, die Entführungsforscher einsetzen, kommen ebenfalls zur Sprache.

In knappen 9 Seiten bringt Eghigian schließlich in seinen Schlussfolgerungen den Text auf den Stand der UFO-Forschung im 21. Jahrhundert. Das bedeutete das Ende der großen Vereine. Die Zeit der Regierungsinstitute brach an – unter anderem Tom DeLonges To the Stars Academy of Arts and Sciences 2017. Erwähnt wird auch, dass in den USA immer mehr Akademiker an UFO-Forschung interessiert sind, Würzburg wird erwähnt. Es fehlen allerdings die diversen US-amerikanischen Whistleblower des letzten Jahrzehnts wie auch ein Blick darauf, wie das Internet die UFO-Szene verändert hat.

Sein Resümee? „Letztendlich war und ist das unbekannte Flugobjekt vieles für viele Menschen. Seine Widerstandsfähigkeit als soziales Phänomen beruht größtenteils auf seiner nebulösen Natur und seiner Fähigkeit, gleichzeitig Ding und Theorie zu sein. Da es so schwer fassbar ist, dass man nicht einmal weiß, ob es sich überhaupt um ein Objekt handelt, war die Diskussion über das UFO einladend offen. Alles kann als Beweis gelten, und Spekulationen kennen keine Grenzen.“ (S. 317)

Wie soll man ein so breit aufgestelltes Buch bewerten? Wer sich schon länger für das Thema interessiert, findet natürlich viel Vertrautes, aber eben auch viel Neues. Das Buch geht weder davon aus, dass es UFOs gibt noch dass es sie nicht gibt, es zeigt nur auf, was Zeugen, Forscher, Medien und Wissenschaftler über UFOs gesagt haben. Das Werk ist in einem akademischen Verlag erschienen, erfüllt alle formalen Standards einer wissenschaftlichen Veröffentlichung (Anmerkungen, Literaturverzeichnis, Register von S. 319 bis 388), hat Karten und einige wenige Abbildungen (im Schnitt zwei bis vier pro Kapitel), es erfasst zudem, wenn auch nicht komplett, die deutsche Szene (DUIST, CENAP und Fiebag werden erwähnt). Es gibt schon ähnliche Bücher, aber Eghigian ist up to date, umfassend, gut lesbar und präzise geschrieben – ich kann es nur empfehlen.

Ulrich Magin, 5/5 Sterne

400 Seiten, geb., ill., ISBN-13: 978-0190869878, Preis: 27,99 EUR

Oxford University Press
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New York, NY 10016, 2024

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Quelle: JUFOF Nr. 281, 4/2025: 155 ff

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