Ross Coulthart: Vor unseren Augen

UFOs, unbekannte Technologien und eine investigative Suche nach der Wahrheit

Ross Coulthart ist ein in Australien be­kannter investigativer Journalist und Best­sellerautor. Jahrelang war er Reporter für The Sydney Morning Herald, ABC TV Four Corners und 60 Minutes.

Auch als Buchautor machte er sich einen Namen: Neben zwei Büchern, welche er zu­sammen mit Duncan McNab über organi­sierte Kriminalität schrieb (Dead Man Run­ning. An insider’s story on one of the world’s most feared outlaw motorcycle gangs…The Bandidos, 2008 und Above the Law: How Outlaw Motorcycle Gangs Became the World’s Biggest Criminal Empire, 2011), wurde er besonders für seine Bücher über den 1. Weltkrieg (The Lost Diggers, 2016, The Lost Tommies, 2016 und Charles Bean. If people really knew: one man’s struggle to report the Great War and tell the truth, 2021) bekannt.

Seine Arbeit wurde vielfach prämiert, so erhielt er fünfmal den Walkley-Journalisten­preis und einmal den Gold Walkley, die höchste Auszeichnung für Journalisten in Australien. Zudem ist er Träger des Logie Awards, dem wichtigsten australischen TV-Preis für Journalismus, Gewinner einer Goldmedaille des New York Film Festival und wurde ausgezeichnet mit dem Prime Minister’s Prize for Australian History.

Sein nun in Deutsch vorliegendes Buch über UFOs, ein Thema, welchem er sich seit Anfang des laufenden Jahrzehnts fast aus­schließlich widmet, wurde im Original unter dem Titel: In Plain Sight. An investigation into UFOs and impossible science bereits 2021 veröffentlicht. Dies ist wichtig zu er­wähnen, weil es im Urteil über Inhalt und Aktualität zeitlich eingeordnet werden muss.

Die erste Hälfte des Buches widmet sich der Geschichte der UFOs: Hier geht es unter anderem um den immer präsenten und medienwirksamen Roswell-Vorfall, die Un­tersuchungen und Verwirrungen rund um das UFO-Programm der US Air Force in den 1950er und 1960er Jahren, Project Blue Book, und um die bekannteste UFO-Welle in Europa: die Dreiecks-UFOs über Belgien An­fang der 1990er Jahre.

Besonders interessant sind hierbei die vielen, zum Teil hierzulande unbekannten UFO-Vorfälle in Australien und Ozeanien. Hierbei zeigt sich, dass viele Facetten des UFO-Phänomens weltweit auftreten und nur deshalb international eher unbekannt blei­ben, weil sie entweder gar nicht publiziert werden, Sprachbarrieren eine Verbreitung erschweren oder verhindern oder einer über die Landesgrenzen hinausgehenden Veröf­fentlichung das Desinteresse der Gesell­schaft oder das Übermaß von Berichten aus den USA gegenüberstehen.

Besonders spannend sind auch in die­sem Buch Fälle, die sich im Umfeld von Mi­litäranlagen abspielten. Auch dies scheint ein weltweites Charakteristikum zu sein.

In der zweiten Hälfte des Buches geht es dann um Whistleblower, um die To the Stars Academy des ehemaligen und jetzt wieder aktiven Sängers und Gitarristen der Pop-Punk- Band Blink-182, Tom DeLonge, um geheime UFO-Untersuchungen, Geheim­projekte, Patente etc.

Das kommt einem sehr bekannt vor, denn viele der zurzeit veröffentlichten Bü­cher haben genau das zum Thema: Was wissen die Regierungen und Geheimdienste wirklich? Stürzten tatsächlich einst UFOs ab und wurde ihre Funktionsweise soweit ent­schlüsselt, dass bereits ein Transfer in mo­derne Technologien stattfand, freilich ohne die tatsächliche Herkunft mitzuteilen?

In Schutz nehmen muss man den Autor hierbei, da das Buch im Original eben nicht dieser Tage veröffentlicht wurde und somit zur Entstehungszeit tatsächlich noch Unbe­kanntes enthielt.

Als sehr vorteilhaft erweist sich zudem, dass der Autor zwar vielen Erzählungen glauben schenkt und dem Thema sehr offen gegenübertritt, sich aber im Laufe des Bu­ches auch immer wieder skeptisch äußert und davor warnt, das scheinbar Offensicht­liche direkt für bare Münze zu nehmen.

Die Quintessenz bleibt: Wenn es tatsäch­lich ein Wissen gibt, welches über Sichtun­gen hinausgeht, d.h. wenn wirklich einst Objekte abstürzten und diese geborgen wurden, dann ist das hieraus entstandene Wissen nur einer kleinen Gruppe von Per­sonen zugänglich geworden. Was sich auch zeigt, ist, dass diese Gruppe, anders als dies ursprünglich vermutet wurde, eher nicht beim Militär oder Geheimdienst ange­siedelt war, sondern eher multidisziplinär arbeitet(e) und dadurch auf der einen Seite ganz gezielt bestimmen kann, wer dazuge­hört und wer nicht, und auch bei offiziellen Nachforschungen unentdeckt bleibt, da sie eben nicht in den offiziellen staatlichen Un­terlagen und Netzwerken zu finden ist.

Welche Rolle hierbei Milliardäre wie Bi­gelow spielen, ob hier nur Gelder fließen und Wissen abgegriffen wird oder ob hier auch gezielter Technologietransfer stattfin­det, bleibt bislang unbekannt, und dies wäre dann auch so gewollt.

Das Thema bleibt spannend. Das Buch kann jedenfalls schon wegen der vielen australischen Fälle empfohlen werden, und auch für alle, die ein Interesse an der Ge­schichte der UFOs und deren Erforschung und den aktuellen Entwicklungen haben, stellt dieses Buch eine sinnvolle Ergänzung im Buchregal dar.

Marius Kettmann, B.A., 4/5 Sterne

400 Seiten, geb., 35 Abb., ISBN-13:‎ 978-3989921177, Preis: 23,00 €

Kopp Verlag
www.kopp-verlag.de
Rottenburg, 2025

Hier erhältlich*

Quelle: JUFOF Nr. 285, 3/2026: 93 f