IGAAP-Bericht 5: Neue Überlegungen zum Abduktions-Phänomen und unerklärliche Himmelserscheinungen aus alter Zeit

Beiträge zur wissenschaftlichen UFO-Forschung

Die IGAAP(1) hat kürzlich ihren fünften Be­richt herausgegeben. Dabei handelt es sich um ein aktuelles, interdisziplinär ausgerich­tetes Werk der wissenschaftlichen UFO-For­schung. Es verbindet eine kritische, analyti­sche Herangehensweise mit einer Betrach­tung sowohl neuer als auch historischer Perspektiven auf das Abduktionsphänomen und u.a. auf die Presseberichterstattung über UFO-Beobachtungen im 17. und 18. Jahrhundert.

Bevor die eigentlichen Themen zur Spra­che kommen, widmet sich Lutz Gentes, stellvertretender Vorsitzender und Mitbe­gründer der IGAAP, einer Gedenkschrift an­lässlich des zweiten Todestags von Illobrand von Ludwiger, dem Gründer der IGAAP. Gen­tes schildert persönliche Begegnungen und Eindrücke, würdigt das außergewöhnliche Engagement von Ludwigers, der die wissen­schaftliche UFO-Forschung stets in den Mit­telpunkt seiner Arbeit stellte.

Bemerkenswert ist, dass Gentes auch kri­tische Töne anschlägt: Von Ludwiger sei kein einfacher Mensch gewesen, seine Me­thoden und Ansichten nicht immer unum­stritten. Treffend fasst Gentes dies mit den Worten zusammen: „Wo Licht ist, ist auch Schatten.“

Wer die langjährige Arbeit der GEP kennt und die teils kontroversen Berührungs­punkte zwischen mir und von Ludwiger verfolgt hat, weiß, dass es nicht reibungslos zuging. Unbestritten jedoch bleibt: Illobrand von Ludwiger hat die deutsche UFO-For­schung nachhaltig geprägt und wichtige Im­pulse zur Erkenntnisgewinnung geliefert.    

Der britische Autor und Abduktionsfor­scher Steve Aspin ist für seine kritische wie auch persönliche Auseinandersetzung mit dem Abduktionsphänomen bekannt. In sei­nem Beitrag „Das Abduktions-Phänomen: Warum es als ‚Programm‘ bezeichnet wer­den sollte“ gibt er einen tiefen Einblick so­wohl in seine eigenen, lebenslangen Erfah­rungen mit mutmaßlichen Alien-Entführun­gen als auch in seine umfangreichen Recherchen und Interviews mit führenden Forschern wie Budd Hopkins und Dr. David Jacobs. Aspin beschreibt zunächst, was Be­troffene typischerweise berichten, wenn sie von einer Entführung sprechen: Sie berich­ten von medizinischen Untersuchungen an Bord fremder Objekte und entdecken an­schließend unerklärliche Narben oder Hautmale an ihrem Körper. Viele dieser Be­richte weisen auffallende Ähnlichkeiten auf.

Die beschriebenen Untersuchungen unterscheiden sich jedoch grundlegend von menschlicher Medizin. Der Fokus liegt laut Aspin meist „auf dem Gehirn, dem zentralen Nervensystem und den Fortpflanzungsorganen“.

Im Kapitel „Es ist ein großes Programm“ legt Aspin dar, dass er von einem intergenerationalen Entführungsprogramm ausgeht, das bereits seit den 1890er-Jahren existiert und bis heute von einer außerirdischen Intelligenz fortgeführt wird.

In den folgenden Abschnitten beschreibt er die unterschiedlichen Arten von Wesen, die in Berichten am häufigsten genannt werden: von den bekannten „Grauen“ bis hin zu insektenähnlichen Kreaturen, die an Gottesanbeterinnen erinnern. Anschließend schildert er den typischen Ablauf einer solchen Untersuchung sowie die Form der Kommunikation zwischen Entführten und den fremden Wesen.

Auf seine eigene Arbeit haben die Forschungen und Werke von Budd Hopkins und John Mack maßgeblichen Einfluss gehabt. Hopkins habe ihm beispielsweise erklärt, mit welchen Reaktionen auf UFO- und Entführungserzählungen zu rechnen sei. Dabei ist die der „echten Skeptiker“ wohl die, mit der sich die GEP auch identifizieren kann. Dagegen zucken die „Uninteressierten bei Beweisen für das Außergewöhnliche mit den Schultern und ziehen einfach weiter“.

Im Weiteren stellt er sich die Frage, wie viele Entführte es wohl in der Bevölkerung geben mag. Entsprechenden Umfragen zu-folge sehr viele, und für den Autor ist das ein Hinweis darauf, dass das Programm von großer Bedeutung und der Ressourcenein-satz der außerirdischen Intelligenz immens ist („seit mehr als 120 Jahren auf der ganzen Erde“ – „24 Stunden am Tag und uner-bitterlich“).

In den weiteren Sachkapiteln schildert er, „wie das Leben für einen Entführten“ ist, warum diese Entführungen überhaupt gene-rationenübergreifend stattfinden und – jetzt wird es m.E. abstrus – wie man herausfindet, „ob man ‚einer der Auserwählten‘“ ist. Ein Katalog mit 35 zu beantwortenden Fragen soll hier helfen. (Testen Sie selbst!)

Ich bin kein Entführungsexperte, aber meines Erachtens betrachtet Steve Aspin, wie auch viele andere Autoren, die Entfüh-rungsberichte selektiv und bevorzugt jene, die seine Arbeitshypothese stützen. Das Abduktionsphänomen erscheint mir jedoch deutlich vielschichtiger: Es werden keineswegs immer dieselben medizinischen Prozeduren, Wesen oder Objekte beschrieben.
Aus diesem Grund halte ich es für fraglich, ob tatsächlich alle Betroffenen im Rahmen eines einheitlichen Programms von einer außerirdischen Intelligenz entführt werden. Statt sich ausschließlich auf eine exotische Erklärung zu konzentrieren, sollte man den Blick auch auf konventionelle, psychologische oder soziokulturelle Erklärungsansätze richten.

Im folgenden Beitrag befasst sich der Diplom-Biologe Andreas Lück mit der Untersuchung eines angeblich außerirdischen Haares. Der Fall geht auf einen Vorfall aus dem Juli 1992 zurück, bei dem ein in Australien lebender Mann von einer Begegnung mit zwei unbekleideten, weiblich erscheinenden Wesen berichtete, die er als außerirdisch interpretierte. Im Rahmen dieser Begegnung soll es zu sexuellen Handlungen gekommen sein, einschließlich der Abtrennung einer Brustwarze durch Bissverletzung. Im Anschluss habe der Betroffene ein blondes Haar mit erkennbarer Wurzelstruktur an seinem Körper entdeckt, das er für eine wissenschaftliche Analyse zur Verfügung stellte.

Andreas Lück hat sich die forensischen Untersuchungsmethoden, DNA-Analysen u.v.m. sowie die Ergebnisse der Untersu-chungen genauer angeschaut und „eine kritische molekularbiologische und biochemische Bewertung“ verfasst. Er liefert eine kri-tische Bewertung der Ergebnisse sowie eine Einordnung der Reaktionen der beschriebenen angeblich außerirdischen Dame auf die körperliche Verletzung. Sein Fazit: Die Analyse des Haares spricht nicht für einen außerirdischen Ursprung. Stattdessen verweist Lück auf alternative, spekulative Hypothesen, etwa die Möglichkeit, dass es sich bei den Wesen um Entitäten aus einer fernen Zukunft der Erde oder aus einem parallelen Universum handeln könnte.

Auffällig ist, dass konventionelle Erklärungsansätze, wie etwa eine gezielte Täuschung oder ein psychodynamisch erklärbares Erlebnis, im Beitrag nicht näher berücksichtigt werden. Eine weiterführende Untersuchung unter Einbeziehung kriminalistischer, psychologischer und soziologischer Perspektiven erscheint daher sinnvoll.

Trotz der spekulativen Elemente bietet der Beitrag einen interessanten Einblick in die methodischen Möglichkeiten und Grenzen der naturwissenschaftlichen Untersuchung außergewöhnlicher Erlebnisberichte.

Ein wiederkehrendes Element in Berichten über Entführungserfahrungen sind im Nachhinein entdeckte unerklärliche Hautmale an den Körpern der Betroffenen. So hat beispielsweise der bekannte Forscher Jacques Vallée in diesem Zusammenhang rund 200 Fälle dokumentiert, in denen kreisförmige Hautveränderungen beschrieben wurden. Auffällig ist, dass auch in Deutschland unabhängig voneinander Personen von identischen oder sehr ähnlichen Hautmalen berichteten.

Die beiden Autoren, Dipl.-Biol. Michael A. Landwehr und Dipl.-Psych. Karsten Mierke, stellen in ihrem Beitrag „Rätselhafte kreisförmige Hautmale“ zwei aktuelle Fallbeispiele aus Deutschland vor, in denen Betroffene offenbar übereinstimmende bzw. vergleichbare Hautmale an sich festgestellt haben.

Diese Fälle werfen die Frage auf, ob es sich hierbei um ein wiederkehrendes Muster handelt, das möglicherweise auf spezifische Ursachen physischer, psychologischer oder unbekannter Natur hinweist, oder ob hier eine exotische Ursache eine Rolle spielt.

Zur weiteren Untersuchung bittet die IGAAP im Rahmen eines Aufrufs um Rück­meldungen von Personen, die ähnliche Hautmale an ihrem Körper entdeckt haben, insbesondere solche in der Form der nach­folgend gezeigten Figuren.(2) Entsprechende Meldungen an die GEP leiten wir gerne wei­ter.

Beispiele für Hautmale, die Betroffene
an sich entdeckt haben.(3)

Bei dem nächsten Beitrag handelt es sich um den Nachdruck eines ursprünglich im MUFON-CES-Bericht Nr. 3 (Bericht von der Sommertagung 1976 in München) erschienenen Original-Aufsatzes von Illobrand von Ludwiger. In seinem Aufsatz „Die Behand-lung von UFO-Beobachtungen in der Presse und durch die Gelehrten im 17. und 18. Jahrhundert“ untersucht der Autor, wie un-gewöhnliche Himmelserscheinungen bereits in der Frühneuzeit dokumentiert und bewertet wurden. Anhand zahlreicher Quellen zeigt er, dass Berichte über solche Phänomene keineswegs neu sind. Die Reaktionen der zeitgenössischen Presse und Wissen-schaft waren meist von Skepsis, Ablehnung oder Zurückhaltung geprägt, beeinflusst durch die begrenzten Erkenntnismöglichkei-ten und das vorherrschende Weltbild jener Zeit. Von Ludwiger sieht in seinem 6-Punkte-Fazit aber trotzdem Anhaltspunkte dafür, dass die „Gelehrten des 17. und 18. Jahrhunderts den Untersuchungen fremdartiger Phänomene aufgeschlossener gegenüber standen als heutige Wissenschaftler“. Anhand der von ihm gesammelten Berichte lässt sich zudem erkennen, dass „Landungen großer leuchtender Objekte in der Nähe von Augenzeugen … so gut wie nicht zu finden“ sind. Abschließend fordert er, dass „die bisher in der UFO-Literatur vorgestellten historischen Berichte […] sämtlich einer gründlichen Überprüfung“ bedürfen.
In seinem nicht uninteressanten Aufsatz nutzt Illobrand von Ludwiger die historischen Betrachtungen, um heutige wissenschaftliche Vorurteile und Ablehnungshaltungen gegenüber UFO-Berichten zu hinterfragen.

Auch wenn ich mir bei einigen Themen eine tiefere und kritischere Auseinandersetzung gewünscht hätte, bieten die Aufsätze im IGAAP-Bericht Nr. 5 dennoch interessante, spannende und informative Einblicke. Trotz der genannten Kritikpunkte vermittelt das Buch den Leserinnen und Lesern einen Mehrwert.

Hans-Werner Peiniger, 4/5 Sternen


(1) Interdisziplinäre Gesellschaft zur Analyse anomaler Phänomene e.V. (IGAAP), kontakt@igaap-de.org
(2) Per E-Mail an: kontakt@igaap-de.org
(3) https://www.igaap-de.org/downloadshautmale

194 S., pb., ill., ISBN-13: 978-3982038155, Preis: 21,90 €

IGAAP e.V.
www.igaap-de.org/bestellungen
Arnsberg, 2015

Hier erhältlich*

Quelle: JUFOF Nr. 281, 5/2025: 151 ff

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